Die Geschichte des Sprachknuddels, oder auch warum Bilderbücher so wertvoll sind…

Christine Hill-Schindler

Sei es die Kommunikation mit Gleichaltrigen, das Bewerbungsgespräch oder die drei einfachen Worte „Ich liebe dich“ – Kommunikation und Sprache bestimmen unser Leben. Doch einwandfrei zu sprechen ist nicht selbstverständlich. In jedem Jahrgang sind rund 10-15% Menschen, die sprachlich auffällig sind.* Um sich problemlos ausdrücken zu können, ist vom Kleinkindalter an eine lange Entwicklung nötig, der man auf die Sprünge helfen kann.

Der Reichtum der Sprache
Allein die deutsche Sprache beinhaltet rund 5,3 Millionen Wörter.** All diese Wörter lernen wir ab dem Kleinkindalter und erweitern ständig unseren Wortschatz. Gar nicht so einfach all diese Wörter korrekt auszusprechen und sie richtig zu benutzen.

Das verwirrende Knuddel
Wörter können oft verwirrend oder „verknuddelt“ sein. Der Wortschatz allein hilft uns für die Kommunikation wenig. Vielmehr müssen wir lernen, zu verstehen, was die Wörter bedeuten. Nur dann können wir uns korrekt ausdrücken und genau sagen, was wir meinen.

Bilder sprechen mehr als 1000 Worte
Um eine wortreiche Sprache zu entwickeln ohne zu verwirren, helfen Bilderbücher nachweislich. Sie regen die Phantasie an und erweitern den Wortschatz. Zudem hilft das Vorlesen: Wenn Kinder ab dem 18. Lebensmonat jeden Tag vorgelesen bekommen, dann ist das Lese-Sinn-Verständnis in der 2. Klasse um ca 10% höher.

Die Beraterin des Sprachknuddels: Christine Schindler
Als staatlich geprüfte Logopädin ist Sprachentwicklung und Förderung einer meiner Schwerpunkte. Dass Bilderbücher für die Entwicklung der Sprache sinnvoll sind, war mir bereits bekannt. Nachdem ich 2012 eine Fortbildung zum Thema „Bilderbücher in der Sprachtherapie“ besuchte, war ich endgültig von dem Potential der Bilderbücher überzeugt. Hinzu kam damals die Geburt meines Sohnes, die mich zusätzlich vor die Aufgabe, geeignete Bilderbücher für ihn auszuwählen, stellte. Diese Auswahl fiel mir bei einem so großen Angebot sehr schwer. Künftig nahm ich viele verschiedene Bilderbücher aus logopädischer und mütterlicher Sichtweise unter die Lupe und entwickelte Empfehlungen für andere Eltern.

Die Sprachknuddel-Abende
Bilderbücher können die verschiedensten Geschichten erzählen, viel oder wenig Text, viel oder wenig Bilder haben, die Geschichte kann schwierig oder leicht zu verstehen sein. Ähnlich wie man einen Roman oder einen Film bewertet, können auch Bilderbücher bewertet werden. Die Auswahl ist groß und fällt als Mutter umso schwerer: Ist die Geschichte interessant für mein Kind? Ist sie über- oder unterfordernd? Als Beraterin möchte ich mit meinen Sprachknuddel-Abenden Eltern und Erziehern verschiedene Bilderbücher vorstellen, die helfen können, den Wortschatz und das Wort-Verständnis Ihres Kindes mit Freude zu fördern. Dabei gebe ich Ihnen einen Überblick über die Sprachentwicklung und zeige Ihnen einfache Kriterien, die beim Kauf eines Bilderbuchs relevant sind.

 

 

*vgl. Lieber, Gabriele; Jahn, Ina Friederike; Danner, Antje (2009): "Durch Bilder Bilden", Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Seite 4

**vgl. Klein, Wolfgang; Eisenberg, Peter;
Eichinger, Ludwig M.; Storrer, Angelika (2013): "‚Bericht zur Lage der deutschen Sprache‘: Reichtum und Armut der deutschen Sprache", Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, abrufbar unter http://www.akademienunion.de/pressemitteilungen/2013-Sprachbericht/Kurzfassungen_Themen_des_Berichts_HP_.pdf (07.04.2014), Seite 2